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100 Jahre KAB St. Josef Ossenberg

– Rückblick und ein wenig Ausblick –

Heute wie in den Anfängen unserer KAB beginnen und beenden wir unsere Zusammen­künfte mit dem Gruß „Gott segne die christliche Arbeit“. Eine schönere, eine bessere Einstimmung und einen Abschluss von Zusammenkünften kann man sich nicht vorstellen als diesen inhaltsreichen Sinn­spruch.

Ein Verein, der wie wir auf 100 Jahre Vereinsarbeit zurückblicken kann, kommt nicht umhin, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen. Es fällt jedoch nicht ganz leicht als Verfasser dieses Berichtes, rückblickend objektiv und alle Nuancen erfassend, einhundert Jahre wiederzugeben. Mühselig aber hochinteressant.

Bei der Überlegung, wie denn dieser Bericht abgefasst werden sollte, lag es nahe, auf die Jubiläen zum fünfzigsten und fünfund­siebzigsten Jahr zurückzublicken. Allein daran ist erkennbar, wie sich die Zeit rasend und eindeutig nicht gerade christlicher entwickelt hat. In den Festschriften und Chroniken zu diesen Anlässen, so erweckt es den Eindruck, stand das Christliche mehr im Vordergrund als heute. Jetzt, so kann man es im Verhältnis zu damals, auch noch vor fünfundzwanzig Jahren, also zum  fünfundsiebzigsten, empfinden, ist die soziale Komponente dominant. Nicht dass das Christliche abhandengekommen wäre, aber es steht nicht mehr so im Mittelpunkt wie früher. Muss man es bedauern? Oder ist Dominanz des Sozialen ein Segen? Letztlich eine Glaubensfrage, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Gründung des Katholischen Arbeitervereins (damals sprach man noch nicht von Arbeitnehmern) fällt in die Jahre 1907 bis 1908. Das genaue Datum lässt sich, so die Aussage in der Festschrift von 1958, nicht mit Bestimmtheit mehr feststellen. Alle Unterlagen sind in den beiden Weltkriegen verlorengegangen.

Sicher ist, dass die Ossenberger Arbeiter sich dem Katholischen Arbeiterverein in Rheinberg anschlossen. Dieser war 1905 gegründet worden. Es waren damals 30 Männer. Von Frauen war noch nicht die Rede. Es fanden monatliche Zusammenkünfte statt.

Auf der Generalversammlung am 17. März 1907 stellten Ossenberger Mitglieder den Antrag, in Ossenberg selbst einen Verein zu gründen. Hierüber ist im Protokollbuch der KAB Rheinberg zu lesen:

„Schon lange war in den Reihen der Ossenberger Mitglieder der Wunsch rege geworden, in Ossenberg selbst Monatsversammlungen abhalten zu dürfen, da die immerhin bedeutende Entfernung nach Rheinberg und oft dazu auch die ungünstige Witterung es den Mitgliedern schwer machte, die Versammlungen in Rheinberg zu besuchen. Viele in Ossenberg wohnende Arbeiter sogar vom Eintritt in den Verein abgehalten wurden.

Nachdem durch Ernennung des hochwürdigen Herrn von Hammel zum Kaplan von Ossenberg auch eine geeignete Persönlichkeit gefunden war, welche die eventuellen Monatsversammlungen in sachlicher Weise leiten konnte, stand der Erfüllung des vorgenannten Wunsches nichts mehr im Wege.

Am Sonntag, dem 10. März 1907, hatte dieserhalb bereits eine konstituierende Versammlung in Ossenberg stattgefunden, die äußerst zahlreich besucht war, und in der man einmütig für die Gründung des Zweigvereins eintrat. Viele Arbeiter Ossenbergs erklärten daraufhin schon ihren Beitritt in diesen Verein. Der Generalversammlung wurden die Ossenberger Beschlüsse vorgelegt und nach einigen Debatten einstimmig angenommen.

            gez. Wittrup                                                    gez. Kuhn

              (Präses)                                            (Vizepräses u. Schriftf.)

 

Die endgültige Abtrennung erfolgte aber erst im Frühjahr 1908. Etwa 70 Mitglieder zählte der Verein, der den Namen „St. Josef“ erhielt. Den Vorsitz des Vereins übernahm Karl Fonk, Schriftführer wurde Gert Wellmann und Albert Steegmann Kassierer.

Im Jahr 1912 erhielt der Verein seine erste Fahne. Diese war gestiftet von Reichsgraf Luitpold Berghe von Trips.

1923 waren es hauptsächlich die Mitglieder des Katholischen Arbeiter­vereins, die den Erweiterungsbau der Schlosskapelle energisch in Angriff nahmen. Selbstlos arbeiteten damals besonders die Mitglieder Niewerth, Gellings, Knauf, Scholten und viele andere an dem Zustandekommen der vergrößerten Kapelle.

Im Jahre 1928 wurde die Gemeinnützige Baugenossenschaft gegründet, die sich segensreich für Ossenberg auswirken sollte und vielen Arbeiterfamilien zu einem Eigenheim verhalf.

Im Jahr 1939 kam Rektor Blanke nach Ossenberg und übernahm die verantwortungsvolle Aufgabe, die Männer der KAB weiterhin zusammen­zuhalten. Dann brach der Zweite Weltkrieg aus. Die Arbeit im Verein ruhte ganz. Zahlreiche Mitglieder wurden einberufen. Rektor Blanke hielt Briefverbindung mit den meisten der eingezogenen Männer aus Ossenberg.

Schon bald nach Ende des Krieges fanden sich ältere Mitglieder unter Führung des Präses Rektor Blanke zusammen, um den Verein wieder ins Leben zu rufen. Zum Vorsitzenden wurde Bernhard Hoffacker gewählt und die Vereinsarbeit wurde nach und nach mit neuem Leben erfüllt.

1951 wurde mit dem Bau unserer Kirche begonnen. Es waren erneut besonders Männer der KAB, die bereitwillig und unermüdlich an dem großen Werk arbeiteten. Besonders hervorgehoben werden müssen die Freunde Dr. Kall, Anton  Niewerth, Gerhard Gellings, Adolf Meckler und Anton Albers, die als Baukommission wesentlich zum Gelingen beitrugen. Kaum war der Rohbau fertig, da passierte das Missgeschick und Rektor Blanke, der Initiator des Kirchenbaus, stürzte vom Gerüst und erlitt einen Schädelbasisbruch. Vollkommen genesen konnte er leider nicht mehr.

Eingeweiht wurde die Kirche 1953 von Rektor Kalscheur, der noch lange Seelsorger und Präses der KAB war.

Zum Zeitpunkt des 50-jährigen Bestehens zählte die KAB 150 Mitglieder. Eine stolze Zahl im Verhältnis zu der Gesamteinwohnerzahl damals in Ossenberg. Die Vorstandsvorsitzenden in den ersten 50 Jahren:

                                   1908 – 1912    Karl Fonk

                                   1912 – 1919    Gert Börgmann

                                   1919 – 1932    Gert Awater

                                   1932 – 1933    Heinrich Heimings                

                                   1933 – 1945    Max Röös

                                   1946 – 1958    Bernhard Hofacker


Der aktuelle Vorstand anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums setzte sich wie folgt zusammen:

                        1. Vorsitzender           Bernhard Hoffacker

                        2. Vorsitzender           Willi Kausen

                        Kassierer                     Adolf Meckler

                        Schriftführer               Martin Reiner

                        Beisitzer                     Gottfried Helmes

                        Beisitzer                     Josef Weihofen

                        Jugendleiter                Heinrich Willemsen

                        Theaterleiter               Hermann Weihofen

 

Unsere Kirche in Ossenberg war nunmehr schon fünf Jahre fertig und das Wirtschaftswunder nahm seinen Lauf. Ossenberg entwickelte sich, so wie andere Orte am Niederrhein, positiv weiter. Allerdings profitierte unser Ort im Besonderen davon, dass mit SOLVAY ein potenter Arbeitgeber vor Ort war, der den Menschen Brot und Arbeit gab. Doch auch Underberg, Reichel und Gietmann waren Arbeitgeber, bei denen viele Ossenberger tätig waren. Eine Zeit, in der der Blick nach vorne gerichtet war. Auch die Kirchen waren vor mehr als 40 Jahren noch relativ voll. Rückblickend eine gute Zeit für das Christliche und das Soziale!

Im Mai des Jahres 1957 bekam die KAB in Ossenberg einen „jugendlichen Unterbau“ – die CAJ, eine Gliedgemeinschaft der KAB. Josef Cardyn , ein belgischer Arbeiterpriester, war der Gründer der Welt-CAJ und ein Idol der arbeitenden Jugend. Dieser entwachsen, gab es ab 1972 hier die „Junge Gemeinschaft“.  Damals gab es bis zu sieben Familien, die sich dieser Gruppierung zugehörig fühlten.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Zeit schnelllebiger und sicher auch etwas hektischer wurde, dann die, dass in schnellerer Reihenfolge die Vorstände wechselten. Waren es in den ersten fünfzig Jahren noch sechs Vorsitzende mit ihrem Vorstand, so waren es in den zweiten fünfzig Jahren davon zehn. Wobei Bernhard Hoffacker mit 16 Jahren die längste Zeit Vorstandsarbeit leistete. Diese Zeit stellt sich mit ihren Vorsitzenden wie folgt dar:

 

 

                              weiter  bis 1962   Bernhard Hoffacker

                                   1962 – 1965   Theodor van Beek

                                   1965 – 1972   Friedhelm Henseler

                                   1972 – 1976   Klaus Helmes

                                   1976 – 1982   Heinz Baltes

                                   1982 – 1983   Friedrich Mosters

                                   1983 – 1987   Heinz Baltes

                                   1987 – 1999    Norbert Kämmerer

                                   1999 – 2002    Walburga Balzen

                                   2002 – heute   Paul Larmann   

 

Ohne Rückschau auf die Ereignisse in Wort und Bild ist eine solche Chronik und Festschrift nicht machbar. Sie erfordert Zeit, Geduld und den Blick für das, was erwähnenswert ist und auch Interesse beim Leser weckt. Und so stellen sich die letzten Jahrzehnte der KAB so dar, dass viel Engagement und Einsatz für die gute Sache der KAB unübersehbar sind. Feste für die Kinder, politische Podiumsgespräche, Veranstaltungen zu Glauben und Kirche und, lange Jahre Glanzpunkte, die Karnevalsveranstaltungen. Sehr lange Jahre im Saal Steinhoff und heute, getragen vom Verein KAG (Verein Gemütlichkeit), im Festzelt. Wenn man die Berichte in den hiesigen Zeitungen und die Bilder dazu rückblickend sieht, kommt unweigerlich etwas Wehmut auf. Es waren Jahre, in denen die KAB das Geschehen hier, neben weiteren Vereinen, maßgeblich mitgetragen hat.

Viele Menschen haben dazu beigetragen, das Gesicht der KAB zu prägen. Bewusst soll nur auf die verstorbenen Mitglieder eingegangen werden. Männer wie die langjährigen Vorsitzenden Bernhard Hoffacker, Theodor van Beek und Friedhelm Henseler. Aber vielfach waren es auch die Männer in der zweiten Reihe, die gestaltend, mitentscheidend und mitverantwortlich waren für gutes christliches Gelingen unserer KAB. Unvergessen sind da Männer wie z. B. Otto Kupka, Hans Schürks, Josef Balzen und der viel zu früh verstorbene Pater Philipp (Präses der KAB). Es gibt wohl kaum Leser dieser Zeilen, die sich nicht dankbar an diese Männer der KAB zurückbesinnen.

Quo vadis KAB Ossenberg? Der im siebten Jahr im Amt befindliche jetzige Vorstand hat sich mit allen Kräften bemüht, unsere KAB nicht nur lebensfähig zu halten, sondern mit neuen Ideen und aller nur erdenklicher Offenheit in dieses Jahrtausend zu führen. Es besteht natürlich die Gefahr, schnell „betriebsblind“ zu werden. Daher sollten wir uns nur als Kollektiv

verstehen und handeln. Die Zeit, in der die KAB hier unmittelbar vor ihrer Auflösung stand, darf niemals wiederkehren! Das hat für unser gemeinsames Handeln allerdings Konsequenzen. Der Vorstand weiß, dass wir dringend Nachwuchs benötigen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wir brauchen junge Menschen, die sich engagieren, die soziale Verantwortung übernehmen und die christlichen Werte hoch halten. Dieses Ziel zu verfolgen ist die eine Seite, es umzusetzen eine andere. Dieses Jubiläumsjahr werden wir versuchen zu nutzen, um massiv zu werben. Gott gebe uns hierfür die guten Ideen und die Überzeugungskraft, erfolgreich zu sein. Um das statistisch zu untermauern, ein paar Zahlen:

Mitgliedszahlen:

                        50 Jahre KAB – 1958                        240

                        75 Jahre KAB – 1983                        138

                      100 Jahre KAB – 2008                        101

 

Der Vorstand, so wie er sich heute im Jahr 2008 zusammensetzt, hat folgendes Aussehen:

 

            1. Vorsitzender           Paul Larmann

            2. Vorsitzender           Theo Braems

                Kassierer                Gerhard Janssen

                Schriftführer           Wolfgang Sommer

 

Als Vertrauensleute sind aktiv:

Maria Bettgen                         Friedel Nehring                     

Gerd Janssen                          Anni Rulofs

Anita Kempken                      Änni Struberg-Janßen           

Paul Larmann                         Heinz Terwiel

Karl Heinz Lenders

100 Jahre KAB Ossenberg liegen hinter uns. Wir bitten Gott für die Menschen hier und in der Welt um eine Zukunft, die christlicher und auch sozialer sein sollte als sie sich in den letzten Jahren dargestellt hat. Er gebe uns die Liebe, das Verständnis und friedvolles Handeln für eine gute Zukunft.

Gott segne die christliche Arbeit!